Brandschutz bei mehrgeschossiger vorgefertigter Holzrahmenbauweise: REI 90 mit dem Jelovica-Wandsystem
Steigende Lieferantenkosten im Bau: Wie vorgefertigter Holzrahmenbau Preissicherheit schafft
Brandschutz ist im mehrgeschossigen Holzbau die zentrale bauphysikalische Frage. Ab Gebäudeklasse 4 (Brüstungshöhe über 7 m) verlangen die Bauordnungen REI 60 bis REI 90 für tragende und aussteifende Bauteile sowie definierte Anforderungen an die Brandwand und Brandschutzbekleidung. Architekten und Tragwerksplaner stehen vor der Aufgabe, diese Werte nachweisbar und prüfbar zu erfüllen — ohne die Gestaltungsfreiheit und Wirtschaftlichkeit des Projekts zu opfern.
Das zertifizierte Jelovica-System in vorgefertigter Holzrahmenbauweise erfüllt REI 90 mit einer Außenwand von 348 mm Stärke. Die einzelnen Schichten sind konstruktiv aufeinander abgestimmt: nichtbrennbare Mineraldämmung, zementgebundene Spanplatten als Brandschutzbeplankung, feuerwiderstandsfähige Gipskartonplatten und ein Brettschichtholz-Tragwerk. Dieser Beitrag erklärt, wie der Aufbau funktioniert und welche Anwendungsbereiche damit zugänglich werden.
Was die Brandschutzklasse REI bedeutet
REI ist die europäische Klassifikation für tragende, raumabschließende Bauteile. R steht für Tragfähigkeit (résistance), E für Raumabschluss (étanchéité) und I für Wärmedämmung (isolation) im Brandfall. Die Zahl gibt die Mindestdauer in Minuten an, in der das Bauteil alle drei Funktionen unter Normbrandbeanspruchung erfüllen muss.
Im mehrgeschossigen Wohnungsbau bedeutet REI 90 also: Die Wand muss 90 Minuten lang ihre tragende Funktion behalten, den Brandraum dicht abschließen und die Temperatur auf der wärmeabgewandten Seite unter dem Grenzwert halten. Ergänzt wird die REI-Klasse durch die Baustoffklassifizierung (A1, A2, B, C usw.) und durch zusätzliche Eigenschaftsklassen (s — Rauchentwicklung, d — brennendes Abtropfen).
Das Jelovica-Wandsystem: REI 90 in 348 mm
Das zertifizierte Außenwandsystem von Jelovica erreicht REI 90 mit einer Klassifikation A2-s1,d0 in der bauaufsichtlichen Klassifikation der nichttragenden Schichten — also nichtbrennbar mit geringer Rauchentwicklung und ohne brennendes Abtropfen. Der Aufbau von außen nach innen:
- Armierter Putz und Oberputz: 7 mm
- Mineraldämmung (nichtbrennbar): 160 mm
- Zementgebundene Spanplatte (Betonyp): 16 mm
- Holzrahmen mit Mineraldämmung: 140 mm
- Zementgebundene Spanplatte (Betonyp): 12 mm
- Dampfsperre: 0,2 mm
- Feuerwiderstandsfähige Gipskartonplatte: 12,5 mm
Gesamtstärke: 348 mm. Jede Schicht hat eine Brandschutzfunktion. Die Mineraldämmung ist nichtbrennbar und schützt das Tragwerk vor direkter Wärmeeinwirkung. Die zementgebundenen Spanplatten wirken als nichtbrennbare Brandschutzbeplankung — sie nehmen kein Wasser auf, quellen nicht und bieten dem Feuer keinen Nährboden. Die Gipskartonplatten auf der Innenseite verzögern den Wärmedurchgang.
KERNAUSSAGE: Das zertifizierte Jelovica-Außenwandsystem erreicht REI 90 mit A2-s1,d0 Klassifikation bei 348 mm Wandstärke. Damit ist es für Gebäudeklasse 4 und 5 gemäß den DACH-Bauordnungen geeignet.
Warum Betonyp statt OSB für den Brandschutz
Ein zentraler Differenzierungspunkt im Jelovica-System ist die Wahl der Beplankungsplatte. Viele Holzrahmenbau-Anbieter verwenden OSB-Platten, weil sie kostengünstiger sind. OSB ist jedoch ein Holzwerkstoff und brennt im Brandfall mit — wenn auch verzögert. Die Brandschutzbeplankung muss dann durch zusätzliche Gipskartonschichten erreicht werden, was die Wandstärke und Komplexität erhöht.
Die zementgebundene Spanplatte Betonyp besteht zu etwa 67 Prozent aus Portland-Zement und zu 33 Prozent aus Holzfasern. Sie ist nichtbrennbar (in der Klassifikation als unbrennbarer Baustoff geführt), gibt im Brandfall keine Brandlast frei und behält ihre mechanische Stabilität bis zu hohen Temperaturen. In Verbindung mit der außenliegenden Mineraldämmung entsteht eine durchgehend nichtbrennbare Hüllebene um das Tragwerk.
Innenwände und Geschossdecken: gestaffelte REI-Klassen
Im mehrgeschossigen Wohnungsbau spielen nicht nur die Außenwände eine Rolle. Wohnungstrennwände und Geschossdecken sind ebenso brandschutzrelevant — sie definieren die Brandabschnitte zwischen Nutzungseinheiten. Das Jelovica-System bietet hier abgestufte Lösungen:
Einfache Innenwand: REI 30
Die einfache Innenwand bei Jelovica besteht aus Feuerwiderstandsfähiger Gipskartonplatte 18 mm, Holzrahmen 100 mm, Mineraldämmung 40 mm und Feuerwiderstandsfähiger Gipskartonplatte 18 mm. Gesamtstärke 136 mm, Schalldämmung 42 dB, REI 30. Geeignet für Trennwände innerhalb einer Wohneinheit.
Doppellagige Innenwand: REI 90
Für die Wohnungstrennung kommt die doppellagige Innenwand zum Einsatz: zwei Lagen Feuerwiderstandsfähige Gipskartonplatte 12,5 mm, zwei Lagen zementgebundene Spanplatte 12 mm und ein Holzrahmen mit Mineraldämmung 140 mm dazwischen. Gesamtstärke 189 mm, Schalldämmung 51 dB, REI 90.
Schallschutzwand: REI 90 plus 60 dB
Für besonders schallempfindliche Anwendungen (Wohnungstrennung in Mehrfamilienhäusern, Hoteltrennwände) bietet das System eine zweischalige Lösung mit akustischer Trennlage: 285 mm Gesamtstärke, 60 dB Schalldämmung, REI 90.
Geschossdecke und Flachdach: REI 30
Die Geschossdecke des Jelovica-Systems erreicht REI 30 mit einer Gesamtstärke von 277 mm. Der Aufbau umfasst Estrich und Endbeläge, OSB 22 mm, Holzbalken 220 mm mit Mineraldämmung 120 mm, Holzlattung 22 mm und feuerwiderstandsfähige Gipskartonplatte 12,5 mm. Diese Konfiguration ist für die Anwendung in Wohngebäuden bis Gebäudeklasse 5 ausreichend, sofern die Wohnungstrenndecken durch zusätzliche Brandschutzbekleidung verstärkt werden.
Das Flachdach erreicht ebenfalls REI 30 bei einem U-Wert von 0,11 W/m²K und einer CO₂-Bilanz von 10 kgCO₂/m². Es ist konstruktiv für die Aufnahme von Photovoltaik-Anlagen oder Begrünung vorbereitet.
Brandschutzleistung im Systemvergleich
In der direkten Gegenüberstellung mit alternativen Bausystemen zeigt sich der Vorteil des nichtbrennbaren Schichtenaufbaus deutlich:
- Jelovica-Holzrahmenbauweise: REI 90 (A2-s1,d0) — nichtbrennbare Schichtenkonstruktion mit BSH-Tragwerk
- Brettsperrholz (CLT): REI 90 — Schutz durch Abbrandzone, sichtbares Holz möglich, aber Brennlast im Material
- Massivbau: REI 90 — nichtbrennbar, jedoch höhere CO₂-Bilanz und längere Bauzeit
Alle drei Systeme können also REI 90 erfüllen. Der Unterschied liegt im Schichtenaufbau, in der Brennlastbilanz, in der Bauzeit und in der CO₂-Performance. Für mehrgeschossige Wohnbauten mit ESG-Anforderungen kombiniert das Jelovica-System Brandschutz und Klimaschutz in einer Lösung.
Anwendungsbereiche nach Gebäudeklasse
Das Jelovica-Wandsystem ist für folgende Gebäudeklassen (GK) gemäß den DACH-Bauordnungen geeignet:
- GK 1–3 (Einfamilienhäuser, kleinere Mehrfamilienhäuser bis 3 Geschosse): Außenwand REI 90 deckt alle Anforderungen ab
- GK 4 (Brüstungshöhe bis 13 m, Mehrfamilienhäuser 4–5 Geschosse): REI 90 erfüllt — passend für Standardprojekte
- GK 5 (Brüstungshöhe über 13 m, höhere Mehrfamilienhäuser): REI 90 erfüllt — projektspezifische Brandschutznachweise erforderlich
Für Sonderbauten wie Kindergärten und Schulen können je nach Bundesland oder Kanton zusätzliche projektspezifische Anforderungen gelten. Jelovica berücksichtigt diese im Rahmen der technischen Planung und des Genehmigungsprozesses.
Fünf Häufige Fragen
Ja, die Außenwand erreicht REI 90, was den Anforderungen der Gebäudeklasse 5 entspricht. Für GK 5 sind projektspezifische Brandschutznachweise erforderlich, die je nach Bundesland bzw. Kanton zusätzliche Bestimmungen (z.B. Sprinkleranlage, Brandabschnitte, Rettungswege) umfassen können.
Massivbau ist materialseitig nichtbrennbar, hat aber höhere CO₂-Bilanz und längere Bauzeit. D Das Jelovica-System in vorgefertigter Holzrahmenbauweise erreicht REI 90 mit nichtbrennbarer Schichtenkonstruktion (Mineraldämmung, zementgebundene Spanplatte, Gipskarton) und kombiniert Brandschutz mit deutlich niedrigerer CO₂-Bilanz.
Zementgebundene Spanplatten (Betonyp) sind nichtbrennbar, im Gegensatz zu OSB, das ein Holzwerkstoff ist und im Brandfall mit verbrennt. Mit Betonyp lässt sich REI 90 mit einer dünneren Schichtenkonstruktion erreichen, ohne zusätzliche Gipskartonlagen.
Die Außenwand erreicht 47 dB, die einfache Innenwand 42 dB, die doppellagige Innenwand 51 dB und die Schallschutzwand 60 dB. Für Wohnungstrenndecken sind ergänzende Schallschutzaufbauten Teil der Projektplanung.
Ja. Jelovica realisiert auch Schulen, Kindergärten und weitere öffentliche Gebäude. Die Anforderungen an Brandschutz, Akustik und Energieeffizienz werden für jedes Projekt individuell geprüft und in der technischen Planung berücksichtigt. Ausgewählte Referenzprojekte finden Sie hier.